4.1.5 Konsultierende Formate
In diesen Formaten können verwertbare planerische Anregungen erhoben werden. Lokales Wissen kann die Planung qualifizieren.
Stakeholder-Vernetzung
Bei Treffen mit lokalen Organisationen, Initiativen und jeglichen weiteren Akteur*innen, die über ein Stakeholder-Mapping identifiziert wurden, werden das Vorhaben vorgestellt, persönliche Kontakte geknüpft und ein gemeinsames Verständnis für die Projektziele geschaffen. Nach dem Schneeballprinzip werden über die angesprochenen Akteursgruppen im Kiez weitere Gruppen aktiviert. Die Treffen werden im Zwei-Monatsrhythmus online oder vor Ort abgehalten.
Besonders geeignet:
- Für Ämter mit geringen finanziellen und personellen Ressourcen
- Zur Identifikation von Kümmerer*innen für spätere Platzgestaltungen wie Hochbeete
- Zur Vermeidung von Opposition durch frühzeitige Information aller Beteiligten1
- Für eine erhöhte Legitimität der Ziel- und Planungsvorhaben durch lokale Vernetzung
- Um ein wachsendes Forum und Ankerpunkt während Projektlaufzeit zu gewährleisten
- Zur Sicherstellung der Informationsweitergabe (wenn bspw. Banner u. weitere Informationen mutwillig entfernt werden).
Zu beachten:
- Informationsaustausch und Kommunikation sollte stets up-to-date gehalten werden, um Enttäuschungen vorzubeugen und die beteiligten Akteure weiterhin aktiv im Prozess mitzunehmen.
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Formaten:
- Mit gezielten Stakeholderansprachen
- Als Multiplikator für Informationen und Einladungen zu Online-Beteiligungen und Projektschmieden.
(Mobile) Anlaufstellen
(Städtisches) Personal lädt an kleinen Infoständen (bspw. auf Lastenrädern) im Superblockgebiet die Anwohnerschaft in ihrem Alltag proaktiv zu Gesprächen über ihre Erfahrungen bezüglich Verkehr, Grün- und Naherholungsflächen in ihrem Lebensraum ein. (Siehe Foto K.1) Probleme, Bedarfe und Lösungen aus der Bevölkerung werden auf großformatigen Karten mit Klebezetteln dokumentiert und diese in der Planung berücksichtigt. Um einen unvoreingenommenen Kontakt zu gewährleisten, wird empfohlen, allgemeine Ansprache zu verwenden und Begriffe wie Kiezblocks außen vor zu lassen (bspw.: ein Slogan wie “Verkehr im Kiez – wo läufts gut, wo gibt es Probleme?”). Der Kontakt vor Ort, eine proaktive Ansprache, Mehrsprachigkeit sowie das Angebot von Getränken erschließen erfahrungsgemäß einen besonders breiten Teil der Bevölkerung, der sonst schwierig zu erreichen ist (siehe 4.1.2).2
Besonders geeignet:
- Für Ämter denen geringe finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen, personelle Ressourcen jedoch verfügbar sind
- Um ein breites und repräsentatives Bild der Anwohner*innenschaft zu konsultieren
- Um die Inklusion von Gruppen zu gewährleisten, die sonst selten beteiligt werden (Kinder, Alte, Mobilitätseingeschränkte)
- um verschiedene Orte mit verschiedenen Bedarfen im Superblockgebiet abzudecken.
Zu beachten:
- Übersetzer*innen erschließen ein besonders breites Bild der Anwohner*innenschaft; Eine allgemeine Ansprache gewährleistet unvoreingenommenen Kontakt.
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Formaten:
- Teilnehmer*innen können auf einen Nachbarschaftsspaziergang3 oder zu einer Projektschmiede eingeladen werden; dort können sie das erfahrungsgemäß homogene Teilnehmer*innenfeld um bestimmte Perspektiven erweitern
- Teilnehmer*innen können für Kooperation und Vernetzung identifiziert werden
- Ergebnisse der Anlaufstellen können in Town-Hall-Meeting, Projektschmiede oder Nachbarschaftsräte einfließen; diese können den dortigen Teilnehmer*innen ein Bild über die Wahrnehmung einer breiten Anwohnerschaft über die Bedarfe und Probleme im Kiez verschaffen
- Durch Online-Beteiligung können Teilnehmer*innen auf einer digitalen Karte Probleme, Bedarfe und Lösungen dokumentieren.


Online-Beteiligung
Die Online-Beteiligung kann für eine Vielzahl von Zielsetzungen genutzt werden. Es können vor und während der Planung Mängel, Probleme, Bedarfe und Lösungsideen im momentanen Zustand des Superblockgebiets georeferenziert identifiziert werden, Mobilitätsverhalten abgefragt werden, und begleitend sowie abschließend Evaluierungen vorgenommen werden. Die Onlinebeteiligung sollte auf unterschiedlichen Kanälen beworbend werden (Siehe Foto K.2)
Besonders geeignet:
- Für Ämter denen geringe personale Ressourcen zur Verfügung stehen, finanzielle Ressourcen jedoch verfügbar sind (Möglichkeit des Outsourcings)
- Bei einer großen Anwohner*innenschaft, die sich für die Planungen interessiert.
Zu beachten:
- Übersetzungen der Website in andere Sprachen erschließt ein besonders breites Bild der Anwohner*innenschaft
- Hoher Auswertungsaufwand bei hoher Beteiligung
- Bei anonymisierter Abfrage wird Moderation notwendig, um unsachgemäße Nutzung und das Umgreifen von Fake-News zu verhindern.
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Formaten:
- Gleiche Methodik wie bei (mobilen) Anlaufstellen mit Kommentaren auf einer Karte zu Bedarfen im Kiez
- Link zu den Kooperativen Formaten und Vernetzung
- Ergebnisse der Online-Beteiligung können in Town-Hall-Meeting, Projektschmiede und Nachbarschaftsräte einfließen und den dortigen Teilnehmer*innen ein Bild über die Wahrnehmung einer breiten Anwohner*innenschicht über die Bedarfe und Probleme im Kiez verschaffen.
Gezielte Stakeholderansprachen4
Notwendig sind gezieltes Aufsuchen und Ansprache verschiedener lokaler Gruppen (möglichst) vor Ort über ihre Bedarfe und Anforderungen an das Plangebiet. Vor allem gezielte Gespräche mit lokalen Gewerbetreibenden vor Ort während der Öffnungszeiten erlauben, dass Akteur*innen frühzeitig über geplante Maßnahmen und Ziele informiert werden (was die Verbreitung von Fehlinformation reduziert) und dass spezifische Bedürfnisse erfasst werden. Dabei werden Informationsblätter zu Zielen und Maßnahmen des Projekts verteilt sowie Liefer- und Erreichbarkeitsbedarfe abgefragt.
Persönliche Begegnungen können bestehende Konflikte nicht immer auflösen, tragen jedoch dazu bei, gegenseitiges Verständnis zu fördern und Fehlinformationen zu vermeiden. Auch Akteur*innen, die den Maßnahmen kritisch gegenüberstehen, fühlen sich so einbezogen und ernst genommen.
Besonders geeignet:
- Für Ämter denen geringe finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen, personelle Ressourcen jedoch verfügbar sind;
- Um Fehlinformationen zu vermeiden (bspw. wenn Gewerbetreibende denken, der Lieferverkehr erreiche sie nicht mehr): für eine passgenaue Planung die erneuten Planungsbedarf aufgrund zu spät erkannten Lieferbedarfen vermeidet
- Um Verständnis und Akzeptanz von Superblockmaßnahmen durch direkte und proaktive Ansprache zu erhöhen.
Zu beachten:
- Der Spielraum der Beteiligung und die Bedarfe bestimmter Gruppen sind teils schwer zu vereinbaren
- Um Frustration zu vermeiden, ist Expertise in Moderation und Vermittlung notwendig.
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Formaten:
- Ergebnisse können in Nachbarschaftsräte und Projektschmiede einfließen
- Ergebnisse der gezielten Ansprachen können in Town-Hall-Meeting, Projektschmiede und Nachbarschaftsräte einfließen und den dortigen Teilnehmer*innen ein Bild über die Wahrnehmung bestimmter Stakeholder über Bedarfe und Probleme im Kiez verschaffen.
- Im KlimaKieze-Projekt führte die zu späte Information einer Wohnbaugesellschaft im Superblock-Gebiet dazu, dass Mieter*innen aufgerufen wurden, stellvertretend ihren Unmut über das Vorhaben Luft zu machen. Eine frühzeitige Information hätte unsachliche Kritik hier verhindern können. Schneidemesser et.al. (2025) ↩︎
- Im KlimaKieze-Projekt gaben an manchen Standorten innerhalb der Kieze bis zu 90% der Teilnehmer*innen an, zuvor noch nie bei einem Beteiligungsprozess mitgemacht zu haben (insgesamt lag der Anteil bei 70%). Schneidemesser etal. (2025) ↩︎
- In Tempelhof-Schöneberg wurden „Infostand“ und Kiezspaziergang kombiniert: Über den Tag hinweg wurden am Infostand Menschen informiert und auf den späteren Kiezspaziergang eingeladen. Hier wurden die Argumente und Ideen aus Dialogen am Infostand und vor Ort mit in die Potenztialanalyse eingefasst. Bezirksamt Berlin Tempelhof-Schöneberg (2025) ↩︎
- Siehe auch Business-Frühstück Fetka & Berger (2025,S. 98) ↩︎
Ergänzen:
Künstlerische Formate können mobile Anlaufstellen begleiten, um eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen und Informationen zugänglicher zu kommunizieren (z.B. Kinder, an Thema Verkehr zunächst nicht interessierte Menschen und solche mit geringen Sprachkenntnissen)
Bitte hinzufügen:
„- Bei ‚Online‘-Formaten muss das gewählte technische Instrument für alle selbstständig nutzbar sein.“
„BigBlueButton“, das Instrument das in der Berliner Verwaltung zum Einsatz kommt, ist für Menschen mit sensorischen Beeinträchtigungen nicht barrierefrei.
[Mobilitätseingeschränkte]
Bitte ändern in
Menschen mit Beeinträchtigungen
Zur „digitalen Karte“
Hinweis:
Menschen mit Sehbeeinträchtigungen können Karten nicht selbstständig bearbeiten und benötigen hierfür ein anderes, geeignetes Format.
Zu K.1 Mobile Anlaufstelle
Hinweis:
Beteiligungen bei Schnee und Glätte sind ungeeignet, um ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen zu erreichen.
Bitte ergänzen:
„Die Internetseite muss für alle selbstständig nutzbar sein (u.a. Tastatur-Nutzung, ausreichender Kontrast, skalierbare Schrift, Alternativtexte zu Abbildungen, Kompatibilität mit assistiven Technologien wie Screen-Readern und Braille-Zeile).
Zudem ist die Archivierbarkeit der eigenen Beiträge für eine spätere Verwendung sicherzustellen.“
Nicht wie bei meinberlin.de, wo nach Abschluss der Beteiligung kein Zugriff mehr auf die eigenen Beiträge möglich ist.