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3.2.2 Aufenthaltsqualität und Verkehrsberuhigung

1 Leave a comment on Absatz 1 0 Die Implementierung blau-grüner Infrastruktur erhöht bereits die Aufenthaltsqualität im Superblock. Durch weitere Maßnahmen zur Förderung der Verkehrsberuhigung und Aufenthaltsqualität wird es für Anwohnende und Gäste attraktiver, Wege im Quartier zu Fuß zurückzulegen und zu verweilen. 

2 Leave a comment on Absatz 2 1 Ziel der Verkehrsberuhigung sollte es sein, dass die Gestaltung der Straße eine geringe Fahrgeschwindigkeit unterstützt und es für deren Einhaltung wenig Kontrollen bedarf. Dies kann durch Modalfilter, Einbahnstraßen, durchlässige Sackgassen, Verkehrsberuhigte Bereiche, Schul- und Spielstraßen sowie Fahrbahnverschwenkungen und -einengungen erfolgen. Materialwechsel, Bodenschwellen und auffällig gepflasterte Aufmerksamkeitsfelder können die Geschwindigkeit des fließenden Verkehrs weiter senken. Fußgängerzonen sollten in gering frequentierten Zeiten für den Radverkehr freigegeben werden. Dies dient auch der Belebung.

3 Leave a comment on Absatz 3 1 Für eine Stärkung der Aufenthaltsqualität werden Orte zum Ausruhen und zur Begegnung geschaffen. So wird auch die soziale Komponente des öffentlichen Raums als Ort der Begegnung und des Austauschs gestärkt. Orte der Begegnung lassen sich durch vielseitige Angebote schaffen – beispielsweise Spiel- und Sportgeräte wie Tischtennisplatten, einander zugewandte Sitzgelegenheiten mit oder ohne Überdachung, Nachbarschaftswerkstätten, „Bibliotheken der Dinge“ (engl. Libraries of Things) oder Hochbeete. Hier ist in Absprache mit der Stadtverwaltung häufig auch eine aktive Mitwirkung der Anwohnenden und Gewerbetreibenden, z. B. bei der Übernahme der Grünpflege, gewünscht und teils sogar nötig. Farbige Gestaltungen werten den Raum zusätzlich auf und können gleichzeitig von Kindern und Jugendlichen für Spiel und Sport genutzt werden.

4 Leave a comment on Absatz 4 0 Eine stärkere Mitgestaltung hilft auch, wichtige Kümmerer*innen und Ansprechpartner*innen in der Nachbarschaft zu finden, die Verantwortung für den neu geschaffenen Raum übernehmen. Abschließbare Abstellmöglichkeiten für Spiel- und Gartengeräte im öffentlichen Raum sowie Mikrofinanzierungen z. B. in Form von „Quartiersfonds“ fördern und begünstigen ein langanhaltendes lokales Engagement. Ausreichende Beleuchtung und ein aktives Müll- und Erdgeschossmanagement erhöhen das Sicherheitsgefühl im Quartier. Die Nutzungen im Erdgeschoss haben eine direkte Wirkung auf den angrenzenden Straßenraum. Hauseigentümer*innen können dem Leerstand von Gewerbeflächen mit temporären, kreativen Nutzungen begegnen. Die Einrichtung eines Quartiersstreffpunkts als sogenannten dritten Ort neben Ausbildungs-, Arbeitsplatz und Wohnort kann die Gemeinschaft im Superblock stärken. Für eine zusätzliche Belebung des öffentlichen Raums können sogenannte “Terrassen für Vieles” sorgen, z. B. Kultur-, Ausstellungs- oder Gastro-Parklets, die Platz für gastronomische Freisitze abseits des Gehwegs schaffen und so den Fußverkehr stärken.

5 Leave a comment on Absatz 5 1 Maßnahmen zur Förderung der Verkehrsberuhigung und Aufenthaltsqualität können sein:

  1. Tempo-30- und Tempo-20-Zonen mit Modalfiltern und für den Rad- und Fußverkehr durchlässige Sackgassen
  2. Fahrradstraßen und -zonen, Verkehrsberuhigte Bereiche, Shared Spaces, Schulstraßen, Sommerstraßen, Fußgängerzonen
  3. Einbahnstraßen mit Freigabe für den Radverkehr
  4. Bau von verkehrsberuhigenden Elementen: Aufpflasterungen, Fahrbahnanhebungen, Verschwenkungen, Engstellen, markierte Aufmerksamkeitsfelder
  5. Verringerte Abbiegeradien durch vorgezogene Seitenräume und das Verschmälern aufgeweiteter Kreuzungen und Einmündungen
  6. Sitzgelegenheiten für unterschiedliche Zielgruppen
  7. Parklets mit und ohne Gastronomie
  8. Trinkwasserbrunnen
  9. Verschattung und Regenschutz (Bäume, Sonnensegel, Rankpflanzen-Pergola)
  10. Markierungen, die zu Aktivitäten einladen
  11. Fest installierte Spiel- und Sportgeräte
  12. Container für mobile Spiel- und Sportgeräte, Gartengeräte, Müllgreifer etc.
  13. indirekte Beleuchtung
  14. Wanderbäume
  15. Gemeinsame Veranstaltungen im Superblock: Weihnachtssingen, Bäume gießen etc.

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Fototafel Aufenthaltsqualität

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Die verlinkten Bilder sind in hoher Auflösung ohne Lizenzbedingungen nutzbar (Creative Commons CC0)

Ein "Pocket-Park" an der Rue Saigne in Montreuil zeigt einen ehemaligen Knotenpunkt, der entsiegelt und bepflanzt wurde. Im Vordergrund steht ein grüner Trinkbrunnen mit zwei blauen Bechern. Rechts davon befinden sich verschiedene Pflanzen und ein Baum, der in einem rechteckigen, niedrigen Betonbeet steht, das gleichzeitig als Sitzgelegenheit dient. Links ist eine Holzbank mit Rückenlehne zu sehen, die an eine niedrige Holzwand grenzt. Im Hintergrund verläuft eine Straße mit weiteren Gebäuden und Bäumen. Der Bereich wirkt als linearer Modalfilter und bietet Möglichkeiten zum Verweilen.
D.1 Pocket-Park: Teile des ehemaligen Knotenpunktes sind entsiegelt und bepflanzt und dienen gleichzeitig als linearer Modalfilter (hinten). Es gibt Möglichkeiten für Aufenthalt (Bänke, Trinkbrunnen, Büchertauschregal). Rue Saigne, Montreuil
In der Bergmannstraße befindet sich ein Parklet mit gelben Sitzgelegenheiten und einem Holztisch, umgeben von bepflanzten Bereichen mit hohem Gras. Menschen sitzen entspannt auf den Bänken, einige unterhalten sich, andere beschäftigen sich mit Kindern. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Die Straße ist verkehrsberuhigt gestaltet, mit Bäumen entlang des Gehwegs und Wohngebäuden im Hintergrund. Auf dem Asphalt sind bunte Kreidezeichnungen sichtbar. Die Szene vermittelt eine lebendige Begegnungszone.
D.2 Parklet, Begegnungszonen, verkehrsberuhigte Bereiche und Begrünung bei einer Aktion in der Bergmannstraße durch Changing Cities.
Der Eingangsbereich eines Mehrfamilienhauses in Antwerpen zeigt einen halböffentlichen Raum mit vorgelagerten Grünflächen und Sitzgelegenheiten. Im Vordergrund steht eine Sitzbank aus Holz mit einer Rückenlehne, die auf einem rechteckigen, hellgrauen Betonsockel montiert ist. Daneben befindet sich eine weitere Sitzgelegenheit aus Holz ohne Rückenlehne. Die Fläche ist mit hellen, rechteckigen Pflastersteinen in einem Fischgrätmuster belegt. Im Hintergrund sind Bäume und weitere Grünpflanzen zu sehen, die den Bereich begrenzen. Die angrenzenden Gebäude sind aus Backstein mit weißen Fensterrahmen und Türen. Die Straße verläuft links neben dem Grünbereich und ist ebenfalls gepflastert.
D.3 Halböffentliche Räume: Eingangsbereiche von Mehrfamilienhäusern können durch vorgelagerte Grün- und Sitzelemente einen geschützten, aber dennoch öffentlichen Kommunikationsort bilden (Beispiel aus Antwerpen). https://qimby.net/image/Rhjss
In einem urbanen Garten im Graefekiez in Berlin sind verschiedene Beete mit Pflanzen und Gemüse zu sehen, die von kleinen Holzzäunen umgeben sind. Im Vordergrund steht ein rechteckiges Hochbeet mit grünen Pflanzen, daneben sitzt eine Person an einem Tisch unter einem kleinen Pavillon. Im Hintergrund sind mehrere Menschen auf Fahrrädern unterwegs, umgeben von Bäumen und mehrstöckigen Altbauten mit weißen Fassaden und zahlreichen Fenstern. Die Szene zeigt eine belebte, grüne Stadtecke mit urbaner Begrünung und sozialer Aktivität.
D.4: Urban Gardening und Begrünung im Graefekiez in Berlin.
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Source: https://esu.changing-cities.org/3-2-2-aufenthaltsqualitaet-und-verkehrsberuhigung/