4.1.4 Informierende Formate
Der Großteil folgender Formate entstammt dem Klima-Kieze-Projekt und wurde gemeinsam mit dem Bezirksamt Berlin-Mitte bei der Planung, Konzeption und Durchführung von Superblocks im Antonkiez1 und in der Nördlichen Luisenstadt2 erprobt. Die Formate sind in drei Kategorien nach ihrem Ziel aufgeteilt (informieren, konsultieren, kooperieren), können jedoch jeweils um Elemente erweitert werden, die weitere Ziele erfüllen oder unterstützen.
Information per Banner und Website
An den Standorten von Superblockmaßnahmen wird zwei Wochen vor sowie nach deren Einrichtung, z. B. über einfache Banner oder Infotafeln deutlich sichtbar über die Maßnahmen informiert. Zusätzliche Informationen über das Projekt und damit zusammenhängende Maßnahmen können z. B. an neuen Aufenthaltsbereichen platziert werden. (Siehe Foto J.1) Informationen vor Ort sollten sich auf regionale und lokale Gegebenheiten beziehen und leicht verständlich sein. Es wird empfohlen, eine übergeordnete Rahmenerzählung (“frame narrative”) in den Vordergrund zu stellen, die identitätsstiftend für Anwohner*innen ist und den Nutzen unmittelbar beschreibt, statt primär den Superblock als solchen zum Zweck zu machen.3 Der Fachliteratur entstammende Begriffe („Modalfilter“) sollten durch allgemein verständliche Formulierungen ersetzt werden („Poller“ / “Fußgängerbereich“). Zusätzliche Informationen sollen auf einer Website in einfacher Sprache, optimiert für Barrierefreiheit und mobile Endgeräte abrufbar sein und über den gesamtstädtischen Kontext informieren. Je nach lokalem Kontext sollten die Infos und Website auch in weiteren Sprachen verfügbar sein.
Besonders geeignet:
- Für Ämter, denen geringe personelle und finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen
- Um fortlaufend zu Beteiligungsmöglichkeiten und dem Stand der Umsetzung zu informieren.
Zu beachten:
- Banner und Informationen können mutwillig beschädigt werden
- Eine Website mit offener Kommentarfunktion bedarf ggf. einer Moderation.
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Formaten:
- Informationen können per QR-Code auf Online-Beteiligungen weiterleiten.
Informationen können zu Projektschmieden, Town-Hall-Meetings oder Nachbarschaftsspaziergängen einladen.


Town-Hall-Meeting4
Für die Einladung der interessierten Bürgerschaft zur Vorstellung von geplanten Maßnahmen können Räume der Stadt genutzt werden oder die Vorstellungen finden bei gutem Wetter draußen statt (idealerweise dort, wo Superblockmaßnahmen entstehen werden). Es wird empfohlen, externe Moderationsexpert*innen durch die Veranstaltung führen zu lassen. Diese sind geübt darin, auch kontroverse Diskussionen zu leiten und den Rahmen von dominanten oder negativ eingestellte Akteur*innen zu begrenzen.
Besonders geeignet:
- Für Ämter denen zwar kaum finanzielle Ressourcen, dafür aber personelle Ressourcen verfügbar sind (geschult in Moderation)
- Bei einer großen Anwohner*innenschaft, die sich für die Planungen interessiert.
Zu beachten:
- Ggf. zeigen sich hier Tendenzen zur Dominanz von polarisierten Positionen
- Ggf. sogar Störungen und aktive Anfeindungen ggü. Planer*innen und politisch Verantwortlichen möglich, wenn Planungen polarisieren.
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Formaten:
- Zur Vorstellung von Planungen aus Projektschmieden oder Nachbarschaftsräten
- Zur Einladung zur weiteren Partizipation in Stakeholder-Vernetzungen
Nachbarschaftsspaziergang („Kiezspaziergang“)5
Spaziergänge dienen als niedrigschwelliges Beteiligungs- und Informationsformat, das verschiedene Zielsetzungen erfüllen kann. Planer*innen und politisch Verantwortliche stellen vor Ort mögliche, geplante oder (in einem Viertel bereits) umgesetzte Maßnahmen, ihre Ziele und die erwarteten Effekte vor. Gleichzeitig können gemeinsam mit der Öffentlichkeit potenzielle Gebiete für Superblocks erkundet, Mängel im Bestand erläutert, bestehende Superblocks evaluiert oder lokale Initiativen vorgestellt werden – etwa, wenn Nachbarschaftsgruppen ihre Gestaltungsideen präsentieren. (Siehe Foto J.2)
Besonders geeignet:
- Für Ämter denen geringe finanzielle Ressourcen zur Verfügung stehen, personelle Ressourcen jedoch verfügbar sind
- Wenn direkter Kontakt zur Anwohner*innenschaft auf Augenhöhe gesucht wird.
Zu beachten:
- Hoher Moderationsaufwand aufgrund vieler Fragen und Vorschläge.
Kombinationsmöglichkeiten mit anderen Formaten:
- Im Anschluss an (mobile) Anlaufstellen
- Vorgeschaltet vor Projektschmieden und Nachbarschaftsräte, um Teilnehmer*innen bereits umgesetzte Kiezblocks zu zeigen.
- Um Teilnehmer*innen für Stakeholder-Vernetzung zu identifizieren.
- Bezirksamt Berlin Mitte (2025.1) ↩︎
- Bezirksamt Berlin Mitte (2025.2) ↩︎
- Siehe dazu Narrative in der Toolbox von transformatorin.at (2025.1) ↩︎
- Siehe auch Bürger*:innenversammlung Fetka & Berger (2025, S. 96) ↩︎
- Siehe auch Stadtspaziergang Fetka & Berger (2025, S. 106) ↩︎
Aktualisierte Fassung 26.01.2025:
Besonders geeignet:
Für alle, auch Ämter mit geringen personellen und finanziellen Ressourcen.
Oft sind Kooperationen mit lokalen Akteuren wie Stadtteilkoordination oder -büros möglich und sinnvoll.
Zur fortlaufenden Information über Beteiligungsmöglichkeiten und den Planungs- und Umsetzungsstand.
Aktualisierte Fassung 26.01.2025:
Zu beachten:
Banner und Informationen können mutwillig beschädigt oder entfernt werden.
Aushänge sind oft sichtbarer (auch für Gäste) und günstiger als Postwurfsendungen.
Eine Website mit offener Kommentarfunktion bedarf ggf. einer Moderation.
(Anmerkung Lektorat/Layout: Dieser Satz ist ein Unterpunkt von „Kombinationsmöglichkeiten mit …“)
Layout: Bildquelle fehlt (Es ist in der Raki 23 mit „@lattekiez“ gecredited. https://changing-cities.org/wp-content/uploads/2023/02/RAKi_23_v10_FGSM.pdf)
Bitte ergänzen:
„Internetseiten müssen für alle selbstständig nutzbar sein (u.a. Tastatur-Nutzung, ausreichender Kontrast, skalierbare Schrift, Alternativtexte zu Abbildungen, Kompatibilität mit assistiven Technologien wie Screen-Readern und Braille-Zeile)“
Bitte egänzen:
„- Die Räumlichkeiten müssen barrierefrei sein; dazu gehört auch eine barrierefreie Toilette in unmittelbarer Nähe zum Veranstaltungsraum.
– Abfrage des Unterstützungsbedarfs in der Einladung“
Dieser Unterstützungsbedarf, z.B. eine Gebärdenübersetzung, muss bei der Veranstaltung dann auch vorgehalten werden.
Bitte ergänzen:
„- Abfrage des Unterstützungsbedarfs in der Einladung“