2.1 Planungsziele für Superblocks
¶ 1 Leave a comment on Absatz 1 4 „Superilles“ in Barcelona, „Low Traffic Neighbourhoods“ in London, „Supergrätzl“ in Wien oder die Pariser „Ville du quart d’heure“ (15-Minuten-Stadt) sind städtebauliche Innovationen für Lebensqualität, sichere Mobilität, Klimaschutz und Klimaresilienz.1 Seit 2019 überträgt Changing Cities, unterstützt durch die Erfahrung vieler lokal engagierter Initiativen sowie in der Stadt-, Verkehrs- und Mobilitätsplanung beruflich Tätiger, die planerischen Konzepte nach Deutschland.2
¶ 2 Leave a comment on Absatz 2 0 Deutschlandweit sind inzwischen über 100 bürgerschaftliche Superblock-Initiativen aktiv, viele haben lokale Begriffe geprägt.3 In Berliner Zeitungen wird leidenschaftlich über „Kiezblocks“ debattiert, in Hamburg heißt es „Superbüttel“, in Köln „Superveedel“, in Leipzig und Wiesbaden „Superblock“, in Darmstadt „Heinerblocks“ oder in Freiburg „Freiblocks“.
¶ 3 Leave a comment on Absatz 3 1 Bei der Umsetzung zeigen sich jedoch oftmals starke Beharrungskräfte der autozentrierten Verkehrsplanung. Die Idee des Superblocks lief Gefahr, durch zu einfache und gestalterisch unattraktive Umsetzungen ihre beabsichtigte Wirkung zu verlieren.4 Daher sieht sich die bei Changing Cities e. V. tätige „Fachgruppe Standards für die Mobilitätswende“ (FGSM) aufgerufen, den „Stand der Technik“ für Superblocks zu beschreiben. Gleichzeitig wollen wir die Innovationskraft des Konzepts stärken und es für etablierte Planungs- und Förderstrukturen passend machen. Wir haben deshalb offene Standards entwickelt, die das Konzept „Superblock“ definieren, es vor Vereinnahmung schützen und dennoch seine Weiterentwicklung ermöglichen.
¶ 4 Leave a comment on Absatz 4 1 Superblocks lösen vielfältige Probleme
¶ 5 Leave a comment on Absatz 5 0 Städte stehen vor der akuten Herausforderung, die Ursachen der Erderwärmung zu begrenzen (Mitigation) und sich gleichzeitig an ihre Folgen anzupassen (Adaptation). Die Treibhausgasemissionen sind auf Netto-Null zu begrenzen, die Resilienz gegenüber Extremwetterlagen ist zu steigern. Diese Transformation mit sicherer Mobilität und hoher Lebensqualität für alle zu verbinden, ist die zentrale Aufgabe aktueller Stadtentwicklung.5
¶ 6 Leave a comment on Absatz 6 14 Die Gestaltung urbaner Gebiete nach dem Superblock-Prinzip verfolgt folgende Ziele:6
- Verkehrssicherheit: Die Zahl der Schwerverletzten und Getöteten im Straßenverkehr soll sich kontinuierlich Null annähern („vision zero“7). Vor allem sind hierfür rechtliche, technische und bauliche Maßnahmen zur Geschwindigkeitsanpassung für Kfz bei Fahr- und Abbiegevorgängen durchzusetzen.8
- Mobilität: Mobilität ist die Möglichkeit, am wirtschaftlichen und sozialen Leben teilzunehmen. Der dafür notwendige Verkehr muss so gestaltet werden, dass die Bedürfnisse von Menschen in verdichteten Innenstädten, suburbanen Räumen und ländlichen Gebieten auch unter Gerechtigkeitskriterien berücksichtigt werden. Konkret bedeutet dies, Wege des Alltags durch Infrastrukturplanung zu verkürzen (Mischung von Wohnen, Handel, Arbeitsstätten in einer „15-Minuten-Stadt“) und die Verkehrsinfrastruktur des Umweltverbunds (Fuß, Rad, ÖPNV, Fernbahn) zu stärken und barrierefrei zu gestalten.
- Klimaschutz: CO2-Emissionen in Deutschland müssen gemäß internationalen Verträgen bis 2045 auf Netto-Null sinken.9 Im Verkehrssektor ist dieses Ziel nur realistisch erreichbar, wenn die Kfz-Fahrleistung halbiert und vollständig auf Elektroantrieb umgestellt wird. Im gleichen Zeitraum ist die Nutzung des Umweltverbunds in etwa zu verdreifachen.10 11 Superblocks sind ein wesentlicher Baustein für diesen Wandel.
- Klimaanpassung: Flächen sollen so angepasst werden, dass ein Leben im verdichteten Stadtraum unter den Bedingungen des Klimawandels möglich bleibt. Großflächige Entsiegelung und schattenspendende Bepflanzung beugen Hitzeinseln vor, fördern die Starkregenresilienz und die Artenvielfalt in der Stadt.12
- Lebensqualität und Umweltgerechtigkeit: Die Verlangsamung der Klimaveränderungen, die Resilienz bei Extremwetterlagen und die sichere Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen sind bereits wesentliche Faktoren für die Lebensqualität. Die Gestaltung nach Superblock-Prinzipien zielt darüber hinaus auf weitere Faktoren, insbesondere die Stärkung des sozialen Zusammenhalts, von nachbarschaftlichen Beziehungen und aktiver Mobilität.13 Nachweislich führt dies zu signifikanten Steigerungen der Gesundheit, Lebensqualität und Lebenserwartung.14
- Gesundheit: Der Kfz-Verkehr ist heute einer der wesentlichen Treiber für Belastungen der öffentlichen Gesundheit und verursacht hohe Kosten. Direkte Emissionen durch Lärm-, Feinstaub- und Hitzebelastung, Flächenkonkurrenz mit Grün-, Spiel- und Erholungsräumen sowie psychischer Stress und inaktive Lebensverhältnisse werden durch den Kfz-Verkehr in Städten wesentlich negativ beeinflusst. Das betrifft insbesondere junge und alte, aber auch vorgeschädigte Personen.15
- Wirtschaftlichkeit: Autobesitzer*innen in Deutschland unterschätzen die Gesamtkosten ihres eigenen Pkw systematisch um bis zu 50 Prozent. Kosten in Größenordnungen von 600 Milliarden Euro pro Jahr belasten die privaten Haushalte. Ein Großteil davon verfällt unproduktiv und ressourcenverschwendend durch den Wertverlust parkender Autos.16 17
- Rueda-Palenzuela 2019; Polonyi 2021 ↩︎
- rad-xhain 2019; radbezirk-lichtenberg 2019; radpankow 2020 ↩︎
- Changing Cities 2025 ↩︎
- Schubert 2022; Latz 2025 ↩︎
- Dasgupta et al. 2022 ↩︎
- Bauer/Stein 2022 ↩︎
- DVR 2012 ↩︎
- Stülpnagel/Binnig 2022 ↩︎
- KSG, § 3 ↩︎
- UBA 2025 ↩︎
- FGSV E Klima 2022 ↩︎
- Umweltbundesamt 2021 ↩︎
- SenMVKU 2023 ↩︎
- BMUB 2016 ↩︎
- World Health Organization (WHO) 2021; Adli 2017 ↩︎
- Andor et al. 2020 ↩︎
- Allianz 2024 ↩︎
die planerischen Konzepte auf die Situation in deutschen Städten.
Es wäre schön, wenn hier auch die großen Lösungen für eine ganze Stadt genannt werden. Zirkulationsplan aus Gent, Houten, Groningen, Greetsiel
Wäre es nicht hilfreich aufzuführen, dass das auch in Deutschland nichts neues ist und oftmals schon in den 1970/80er Jahren mit ähnlichen realisiert wurde, wenn auch nicht so umfassend, wie z.B. in Berlin im Gräfe- oder Crellekiez?
Dies könnte helfen, den Beharrungskräften zu verdeutlichen, dass dies nichts komplett neues ist, sondern auch so in Deutschland schon mit ähnlichen Ansätzen realisiert wurde und zu den deutschen Regelwerken passt