|

3.2.1 Blau-grüne Infrastruktur

1 Leave a comment on Absatz 1 1 Die Umsetzung eines Superblocks umfasst Maßnahmen, welche die Anpassung urbaner Quartiere an die Herausforderungen des Klimawandels fördern, z. B. die Vorsorge vor Hitze oder Starkregen. Besonders an den Fahrbahnrändern ist die Anlage von Stadtgrün und Versickerungsflächen möglich. Neueste Forschungsergebnisse empfehlen die Anlage eines mindestens 230 cm breiten entsiegelten Streifens, in welchem grün-blaue Elemente untergebracht werden können.

2 Leave a comment on Absatz 2 2 Die Integration von blau-grüner Infrastruktur erhöht den Anteil von entsiegelten und versickerungsfähigen Flächen im Quartier. Durch Bäume mit unterirdischen Rigolen, Grünflächen oder Wasserelemente wird der öffentliche Raum klimaresilienter, da diese Elemente Schatten spenden, eine kühlende Wirkung haben oder Regenwasser speichern. Das Zusammenwirken dieser Maßnahmen sorgt für ein gesünderes Mikroklima im Quartier und wirkt sich positiv auf die Aufenthalts- und Lebensqualität sowie die Gesundheit der Anwohnenden aus. 

3 Leave a comment on Absatz 3 1 Für die blau-grüne Infrastruktur sind Verkehrsflächen zu identifizieren, die freien Raum für Wasserversickerung und Wurzelwachstum bieten. Falls diese aufgrund von Leitungen im Erdreich nur in der Straßenmitte zu finden sind, sollten Verschwenkungen der Fahrgasse in Betracht gezogen werden oder zumindest Flächen ohne die Neupflanzung von Bäumen entsiegelt werden. Bei der Planung der blau-grünen Infrastruktur ist eine Grünzugvernetzung anzustreben, auch über Superblockgrenzen hinaus. Sie kann erreicht werden, wenn die Abstände zwischen den Blühstreifen weniger als 100 Meter betragen, damit Wildbienen diese Strecken überwinden. Die Verwendung von regionalem Saatgut und die aktive Einbindung von Anwohnenden verbessern die Wirkung und Dauerhaftigkeit der Maßnahmen erheblich. Blau-grüne Elemente sind unter anderem:

  1. Begrünung der Modalfilter mit Bäumen oder temporären Pflanzkübeln
  2. Aufweitung und Gestaltung von Baumscheiben
  3. Anlage neuer Baumstandorte auf jedem Straßenabschnitt, mgl. alle 15 Meter 
  4. Entsiegelung von Verkehrsflächen, insb. an Straßenabläufen (“Grüner Gully”)
  5. Anlage von Mikroparks und Tiny Forests
  6. Urban Gardening
  7. Regentonnen im öffentlichen Raum
  8. Versickerungsfähige Oberflächen (bspw. Balastan, PU-Asphalt)
  9. Versickerungsflächen und wasserspeichernde Rigolen
  10. Wasserelemente, z. B. Trinkwasserbrunnen, Sprühnebler
  11. Fließgewässer und unterirdische Wasserläufe
  12. Dachbegrünung und bodengebundene Fassadenbegrünung.

5 Leave a comment on Absatz 5 0 Fototafel Blau-grüne Infrastruktur

6 Leave a comment on Absatz 6 1 Die verlinkten Bilder sind in hoher Auflösung ohne Lizenzbedingungen nutzbar (Creative Commons CC0).

Straße mit mehreren braunen Holzbänken und Tischen auf der Fahrbahn, umgeben von Bäumen und Grünflächen, Berlin-Mitte.
C.1 Grüner Gully als flexibel einsetzbare Maßnahme für deutlich mehr Versickerung bei versiegelten Straßenflächen. Oberflächenabflusswasser versickert im Regelfall, nur bei Starkregen fließt überschüssiges Wasser über den Gully ab. Singerstraße, Berlin-Mitte. https://qimby.net/image/RHBHX
Bodengebundene Fassadenbegrünung mit mehreren Rankpflanzen an einer Backsteinwand neben einem Glasfenster, im Hintergrund die Grote of Sint-Laurenskerk in Rotterdam.
C.2 Bodengebundene Fassadenbegrünung ist im Vergleich zu wandgebundenen Systemen wesentlich preiswerter und pflegeleichter. Rotterdam.
https://qimby.net/image/IMG-0303.RCLoC
Eine breite, asphaltierte Straße in Paris, die von zahlreichen grünen Bäumen und Sträuchern gesäumt wird. Rechts ist eine lange, mehrstöckige Fassade eines historischen Gebäudes mit vielen Fenstern zu sehen. Die Straße ist frei von parkenden Autos und Fußgänger sind in der Ferne erkennbar. Der Himmel ist teilweise bewölkt. Die üppige Bepflanzung entlang der Straße vermittelt einen Gartencharakter, der auf das "Gartenstraßen"-Konzept zur großflächigen Entsiegelung in Gebieten mit starkem Gründefizit hinweist.
C.3 Großflächige Entsiegelung in Straßen mit starkem Gründefizit: “Gartenstraßen”-Konzept. Rue Milton, Paris
https://qimby.net/image/RHR5t
Eine breite, asphaltierte Straße in Berlin-Mitte ist durch mehrere große, graue Pflanztröge mit grünen Pflanzen und kleinen Büschen in der Mitte geteilt. Am Straßenrand stehen Bänke aus Holz mit Metallgestellen. Im Vordergrund sind zwei weiße Poller mit roten Streifen auf der Straße zu sehen, die den Zugang für Fahrzeuge verhindern. Rechts auf der Straße ist ein bunter, kreisförmiger Bodenaufdruck mit gelben, roten und blauen Elementen. Links und rechts der Straße stehen hohe, grüne Bäume, die den Bereich beschatten. Im Hintergrund sind mehrstöckige Wohngebäude sichtbar.
C.4 Begrünung in Pflanztrögen als Übergangslösung, falls sofortige Entsiegelung nicht möglich ist. Schulstraße Singerstraße, Berlin-Mitte

7 Leave a comment on Absatz 7 0 Exkurs: Die 3 + 30 + 300 Regel für gesündere und grünere Städte 

8 Leave a comment on Absatz 8 0 Diese Regel wurde vom Nature Based Solutions Institute aufgestellt und wird von der UN anerkannt. Sie unterstreicht die Bedeutung von Bäumen und öffentlichem Grün und besagt als Faustregel für die Integration von Stadtgrün, dass eine erfolgreiche Stadtplanung mindestens folgende Standards erfüllt:

  • 3 ausgewachsene Bäume sollten von jedem Fenster des Wohn-, Arbeits- und Bildungsorts sichtbar sein
  • 30 % der Straßenfläche eines Quartiers sollte von Baumkronen bedeckt sein
  • 300 Meter sollte die nächstgelegene hochwertige öffentliche Grünfläche höchstens entfernt liegen.

10 Leave a comment on Absatz 10 0 Quelle: United Nations (2021), Seite 17

Seite 14

Source: https://esu.changing-cities.org/3-2-1-blau-gruene-infrastruktur/