4.1 Partizipation
¶ 1 Leave a comment on Absatz 1 1 Im Kontext von Superblock-Umsetzungen setzen Partizipationsprozesse dann an, wenn ein Superblock beschlossen wurde. In diesem Stadium geht es darum, die Planungsziele (siehe 2.1) durch Interaktion und Kollaboration mit lokalen Stakeholdern an lokale Gegebenheiten anzupassen und tragfähig zu machen. Es geht nicht um das „Ob“, sondern um das „Wie“.1
¶ 2 Leave a comment on Absatz 2 1 Beteiligung und Kommunikation sind heute ein entscheidender Faktor für Akzeptanz und den Erfolg von Superblock-Maßnahmen. Durch Partizipation wird gewährleistet, dass das Wissen um die Gegebenheiten vor Ort besser in Planungen einfließen kann und insbesondere die am meisten vom bisher autozentrierten Verkehrssystem benachteiligten Menschen (Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen) Berücksichtigung finden.
¶ 3 Leave a comment on Absatz 3 1 Durch eine von Beginn an überlegt geplante Partizipations- und Kommunikationsstrategie kann Polarisierungen und Politisierung entgegengewirkt werden, indem Verständnis für die Probleme, Motivation und Zielsetzung hinter den Superblock-Vorhaben generiert wird. Dies kann im Verlauf der Planungen Missverständnisse vermeiden und so die Emotionalität und Verbreitung von Falschnachrichten verringern.2 Superblocks haben ferner zum Ziel, die soziale Kohäsion, also ein nachbarschaftliches Zusammenleben zu stärken (siehe 2.1 g) – was ideal nicht erst durch im Rahmen der Superblock-Planung geschaffene neue Freiflächen erfolgt, sondern bereits im Rahmen des Beteiligungs- und Mitwirkungsprozesses an der Planung selbst. Besonders eine Partizipationsstrategie, die sich am Zielstandard orientiert trägt hierzu bei und bildet oft die Grundlage dafür, noch während der Umsetzung erste lokale Anwohnende als “Kümmerer” insb. für Nachbarschafts- und Grünelemente von Superblocks zu finden und nachbarschaftliche Beziehungen zu stärken (siehe Kümmerer 3.2.2).
¶ 4 Leave a comment on Absatz 4 1 Beteiligung wird zunehmend in kommunalen Leitlinien verankert3 und verstärkt von Bürger*innen eingefordert,4 ist außerhalb von Städtebauförderkulissen bisher häufig jedoch informell, d.h. gesetzlich nicht verpflichtend. Da die Veränderungen jedoch eine Vielzahl von Menschen in ihrem unmittelbaren Alltag betrifft und Planungen durch die Beteiligung häufig inhaltlich und emotional für die Beteiligten aufgewertet werden und die Identifikation mit dem Endergebnis steigt, sollte eine Beteiligung auch bei geringen Ressourcen stets in Erwägung gezogen werden. Während bei reinen Maßnahmen zur Verkehrssicherheit eine Befragung und Information besonders betroffener Gruppen ausreichen kann, sollten umfassende Superblocks im Zielstandards stets mit einer ausreichenden, mehrstufigen Beteiligungs- und Kommunikationsstrategie untersetzt werden.
¶ 5 Leave a comment on Absatz 5 1 Der Umfang ist dabei dem Planungsziel und -aufwand entsprechend zu wählen. Die Wahl der Formate und Methoden sollte sich dabei an den Zielsetzungen des Projekts und der einzelnen Umsetzungsstufen orientieren, wobei aufsuchende und anlaufende Formate zu bevorzugen sind. Sinnvoll ist, unterschiedliche Formate der Information, Konsultation und Kooperation zu kombinieren.5 Partizipation erfolgt in strukturierten Formaten, z.B. analoger und digitaler Veranstaltungen und unter Nutzung unterschiedlicher Methoden (siehe 4.1.4).
- Escher 2025 ↩︎
- Marquet et al. 2025 ↩︎
- siehe z. B. Leitlinien für Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Projekten und Prozessen der räumlichen Stadtentwicklung. Berlin (o.J) ↩︎
- Zografos et al. 2020: In einem Referendum wurde auch aufgrund des Vorwurfs der mangelnden Beteiligung von Bürger*innen der Stopp des ersten Pilot- Superblocks in Barcelona beschlossen – jedoch nicht rechtlich bindend. Zu weiteren Formen der Opposition und Handlungsstrategien, vgl. auch Marquet et al. 2025. ↩︎
- Weitere Ressourcen zu Beteiligung im Rahmen von Verkehrsberuhigung und Superblocks: Fetka (2025) S. 92 ↩︎
Kommentar Erik Ooms (Nexus, 23.01.2026):
„Man sollte sich nicht zu stark von einer kleinen, sehr lauten Gruppe oder einzelnen Stakeholdern oder BürgerInnen mit starkem Widerstand leiten lassen. Am Ende möchte die Mehrheit der Menschen in einer schönen Stadt mit angenehmen Straßen leben und ihr Viertel genießen. Wichtig ist, diese stille Mehrheit in Visions/Konzeptarbeit und Maßnahmearbeit mitzunehmen und in der gesamten Kommunikation klar zu machen, dass genau sie den größten Teil der Bevölkerung ausmacht.“